Print oder Online? - Erik Dachselt im Streitgespräch beim RKW Kompetenzzentrum
Veröffentlicht am 12. April 2013 - 0:00 in der Rubrik

Print oder Online? - Erik Dachselt im Streitgespräch beim RKW Kompetenzzentrum

Kennen Sie das Gefühl, gerade einen Zug zu verpassen, wenn das Gespräch auf Social Media kommt? Oder die Unsicherheit, welche Medien für die nächste Kampagne den gewünschten Erfolg bringen sollen - Print oder Online? Das Kompetenzzentrum des RKW veröffentlicht in seiner aktuellen Ausgabe seines Magazins ein Streitgespräch zu dieser Fragestellung.

Die Medienwelt sortiert sich jeden Tag neu. Ständig kommen neue, digitale Kommunikationswege zu den herkömmlichen Printerzeugnissen dazu. Aber auch die analogen Medien werden durch Innovationen weiter entwickelt. Für die Geschäftsführungen und Marketingabteilungen von klassischen KMU ist es sehr schwer, da den Überblick zu behalten.

Um die Diskussion mit Inhalt zu füllen, inszenierte das RKW Kompetenzzentrum (Eschborn) ein Streitgespräch unter Leitung von Rabena Ahluwalia (stellv. Chefredakteurin des RKW Magazins). Erik Dachselt, mainblick (Agentur für Konzept und Gestaltung, Hanau) und Jens Mielke (4wd media - Agentur für Digitale Medien und Corporate Design, Darmstadt) waren eingeladen, einen Disput zu führen mit dem Thema: Analog vs. Print - Die Möglichkeiten moderner Unternehmenskommunikation - "Ein Streitgespräch"?!

 

Erik Dachselt (mainblick-hanau) und Jens Mielke (4wd-Media) im Streitgespräch

Erik Dachselt (mainblick-hanau) und Jens Mielke (4wd-Media) im Streitgespräch

 

Erik Dachselt vertritt darin bewusst einseitig die Argumente für Analoges, was ihm als Freihandzeichner und Akustikmusiker aus dem Herzen spricht. Herr Mielke gibt den Konterpart auf digitaler Seite. Herausgekommen ist ein interessanter Schlagabtausch mit einer Vielzahl von Themenfeldern, der am Ende auf die Erkenntnis heraus läuft: Das Eine tun heisst nicht das Andere lassen.

Keine moderne Medienagentur wird sich trotz eventueller Spezialbegabungen nur mit einer Seite befassen oder den Kunden einseitig beraten. Gute strategische Beratung orientiert sich am Kommunikationsziel und den Möglichkeiten des Auftraggebers. Und danach erst werden "die Waffen" sinnvoll gewählt, meistens als Mischung aus beiden Welten. (Zur Ausgabe des Magazins)

 

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Erik Dachselt, Jens Mielke, Rabena Ahluwalia

 

Analog vs. Print - Die Möglichkeiten moderner Unternehmenskommunikation - "Ein Streitgespräch"?!

Klassische Druckwerke oder Maßnahmen moderner Onlinekommunikation? Viele kleine und mittlere Unternehmen sind mit der Fülle an Angeboten überfordert und fragen sich, wie sie vorgehen sollen, wenn sie ihre Kunden oder Geschäftspartner erfolgreich ansprechen möchten.

Dieser Frage gehen wir auf den Grund. Dafür haben wir zwei Chefs von Medienagenturen zu einem Streitgespräch in die Redaktion eingeladen: Jens Mielke von 4wd media, Agentur für Digitale Medien und Corporate Design aus Darmstadt, und Erik Dachselt von Mainblick, Agentur für Konzept und Gestaltung aus Hanau.

Um das Gespräch absichtlich zu polarisieren, argumentieren beide aus einer vorab ausgewählten Position – entweder pro analoger oder pro digitaler Kommunikation.
 

Redaktion: Herr Mielke, Sie haben sich pro digital entschieden. Diese Frage also an Sie: Onlinekommunikation ist im Bereich der Unternehmenskommunikation auf dem Vormarsch – zu Recht?

Mielke: Selbstverständlich zu Recht. Die digitale Kommunikation hat sich in vielen Bereichen bereits als das Medium erster Wahl etabliert. Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen stecken hier neue Potenziale, ihre Botschaften mit Schlagkraft zu kommunizieren und die Zielgruppen erfolgreich anzusprechen.
 

Redaktion: Und welche Potenziale meinen Sie?

Mielke: Zentral sind zum Beispiel die Reichweite, Flexibilität und der Einsatz von multimedialem Content. Onlinemedien haben eine überregionale Reichweite, und mit steigender Verbreitung mobiler, internetfähiger Endgeräte können auch immer mehr Menschen außerhalb ihres Büros erreicht werden. Außerdem können zügig Anpassungen und Erweiterungen an Onlinemedien vorgenommen werden, ohne den laufenden Betrieb zu stören. Multimedialer Content – beispielsweise eine Produktvorstellung oder eine Imagesequenz – lässt sich prima auf einer Website zum Einsatz bringen, und zwar nicht nur als Text, sondern als Bild oder Bewegtbild. Aber es gibt noch weitere Potenziale ...

Dachselt: Wenn ich einhaken darf: Printprodukte können das nicht alles abdecken, das stimmt. Für mich als leidenschaftlichen Zeichner ist aber der haptische Aspekt sehr wichtig, und das bekommen Sie bei Onlineprodukten nicht.
 

Redaktion: Herr Dachselt, sehen Sie die Haptik als Vorteil der Printkommunikation?

Dachselt: Auf jeden Fall! Printprodukte sind etwas zum Anfassen, zum Spüren, zum Riechen und damit auch viel nachhaltiger in der Wirkung. Sie vermitteln auf diese Weise eine Wertigkeit und transportieren die Botschaften des Absenders – und sind übrigens bestens als Imageträger eines Unternehmens geeignet. Das Format ist wesentlich eleganter und im Gegensatz zur schnelllebigen digitalen Welt leichter zugänglich, weil technisch unabhängig.

Mielke: Ja, da haben Sie recht. Aber aus dieser Geschwindigkeit resultiert ein weiterer Vorteil der digitalen Kommunikation: die Dialog- und Interaktionsfähigkeit. Nur mit Onlinemedien kann ich Kommunikation in Echtzeit betreiben – dort kann ich direkt und schnell Rückmeldungen bekommen und in Interaktion mit meinen Kunden treten, sei es durch Social Media oder Onlineumfragen.

Dachselt: Gerade das Thema „Geschwindigkeit“ schreckt aber auch viele Nutzer in einer gestressten Gesellschaft ab. Ein Zeitungsleser beispielsweise entscheidet sich oft ganz bewusst dafür: Er nimmt sich die Zeit, in Ruhe zu lesen. Darüber hinaus werden weder Strom noch spezielle Software oder Applikationen benötigt. Und das Lesen auf Papier fällt sowieso viel leichter als am Bildschirm.
 

Redaktion: Also, ich sehe schon, wir finden für beide Kanäle noch viele weitere Argumente ...

Dachselt: Ja, deshalb können wir auch nicht von einer „Entweder/Oder“- Kommunikation sprechen. Das eine zu tun heißt nicht, das andere zu lassen.

Mielke: Richtig. Es geht im Grunde darum, die analoge und digitale Welt sinnvoll zu verknüpfen und auch förderliche Synergien aufzudecken. Am Ende sollte ein praktikables crossmediales Konzept entstehen. Ein Beispiel: Ich habe einen sehr ansprechend gestalteten Flyer mit dem Angebot eines Weinhandels erhalten. Er hat mich sowohl inhaltlich wie auch haptisch angesprochen und mich auf das Onlineangebot des Weinhandels aufmerksam gemacht. Das ist ein gut funktionierendes crossmediales Paket: Der Flyer hat mich in den Onlineshop gelotst, dessen Angebot nicht regional oder zeitlich beschränkt ist. Es ist ein gutes Beispiel, wie ein Unternehmen mit Hilfe des Onlinekanals neue Kunden erschließt und seine Reichweite und Präsenz massiv erhöht.
 

Redaktion: Herr Dachselt, und was empfehlen Sie Unternehmern? Wie sollen sie am besten vorgehen, um auf solche durchdachten Ideen zu kommen?

Dachselt: Ein Unternehmer muss im Vorhinein gewisse Indikatoren beachten, bevor er sich für ein Vorgehen entscheidet. Er muss sich Fragen stellen wie: „Welcher Branche gehöre ich an?“, „Um welche Art der Information handelt es sich, die ich streuen will?“, „Wer ist meine Zielgruppe und wie ist ihr Verhalten?“, oder auch Dinge klären wie: „Müssen wir archivieren?“, „Wollen wir etwas automatisieren?“ usw. Es geht nicht darum, alle Möglichkeiten der Kommunikation möglichst umfassend auszuschöpfen, sondern Kräfte und Investitionen zu bündeln und genau die richtigen Maßnahmen zu ergreifen: Das kann am Ende „nur“ ein Plakat, ein Beileger in regionalen Zeitungen und eine „microsite“ im Internet sowie die Einrichtung eines Facebook-Accounts sein. Bei dieser Analyse und beim Schnüren von individuellen Maßnahmenpaketen helfen professionelle Partner wie Agenturen, die sich in beiden Welten bewegen können, was letztlich die oft knappen Budgets effektiver nutzt als selbstorganisierte Massendrucksachen oder hektische Social-Media-Aktionen.
 

Redaktion: Herr Mielke, es muss also nicht jeder Unternehmer „auf Teufel komm’ raus“ einen Facebook-, Twitter- und flicker-Account haben?

Mielke: Nein, natürlich nicht. Da sind wenig effektive und möglicherweise auch unnötig etat- und ressourcenverbrauchende Schnellschüsse vorprogrammiert. Ich stimme Herrn Dachselt zu: Kommunikation ist immer eine Sache von Bedarf und Potenzialen. Und diese müssen individuell analysiert und pragmatisch bewertet werden, um schlussendlich authentische und angemessene Lösungen realisieren zu können. Welche Kanäle im konkreten Fall – ob klassisch analoge, digitale oder crossmediale – bedient werden, ist dabei nicht vordergründig. Ein professioneller Blick von außen unterstützt da aber Unternehmen sehr gut und das ist unser Handwerk als Agentur.

Redaktion: Vielen Dank für das spannende, aber streitfreie Gespräch.

 

Über das RKW Kompetenzzentrum: Das RKW Kompetenzzentrum ist eine gemeinnützige Forschungs- und Entwicklungseinrichtung des RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrums der Deutschen Wirtschaft e.V. und bundesweit aktiv. Hier erforschen Experten und Expertinnen, wie sich mittelständische Unternehmen in Deutschland im internationalen Wettbewerb behaupten können. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fließen in praxisnahe Empfehlungen und Lösungen ein, die das Kompetenzzentrum bundesweit und kostenlos verbreiten.
www.rkw-kompetenzzentrum.de

 

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